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Geteiltes Büro, doppelter Nutzen – auch auf dem Land?

Digitale Gesellschaft

Co-Working – die Idee, sich einen Arbeitsplatz mit anderen zu teilen – ist aus größeren Städten und Ballungsräumen nicht mehr wegzudenken. Doch kann dieses Modell auch im ländlichen Raum funktionieren – als Alternative zum Homeoffice und zugleich Attraktivitätsbooster fürs Leben auf dem Land? Und welche Rolle spielt dabei die Digitalisierung?

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Seit gut zehn Jahren gibt es hierzulande sogenannte Co-Working-Spaces: voll ausgestattete Büros, deren einzelne Arbeitsplätze man zeitweise mieten kann – bislang vor allem für Freiberufler, kleinere Start-ups oder „digitale Nomaden“ eine so günstige wie nachhaltige und flexible Option, in den Genuss einer leistungsfähigen Büro-Infrastruktur wie auch sozialer Kontakte zu kommen, vom Pausentalk bis zum Gemeinschaftsprojekt.
Eine Entwicklung, die ebenso mit dem gewachsenen ökologischen Bewusstsein der Menschen wie auch dem Wunsch nach einer ausgeglicheneren Work-Life-Balance zu tun hat. Nicht zuletzt leistete auch die Corona-Pandemie dem Trend zum mobilen bzw. dezentralen Arbeiten massiv Vorschub und ist so zu einem Katalysator der Digitalisierung geworden. An sich eine gute Entwicklung, gehen so doch auch der Pendelverkehr und mit ihm die CO₂-Belastung zurück – gerade wer auf dem Land lebt, muss oft lange Anfahrtswege zur Arbeit in Kauf nehmen.
Doch nicht jeder möchte Tag für Tag isoliert im Homeoffice verbringen, noch dazu, wenn dessen Ausstattung, Lage und/oder digitale Anbindung zu wünschen übrig lassen. Hier können Co-Working-Spaces das perfekte „Ausweichquartier“ sein – auch und gerade im ländlichen Raum. Voraussetzung: Standort und Immobilie, Community und Umfeld müssen passen und das Internet schnell sein.

Nun steht und fällt die Attraktivität, die Zukunfts- und Konkurrenzfähigkeit des ländlichen Raums als Wohn-, Arbeits-, Freizeit- und Erholungsraum ohnehin auch mit dem Grad der Digitalisierung. Doch es gibt noch mehr Gründe, warum Co-Working-Spaces als „alternative Homeoffices“ in ländlichen Regionen ein echtes Zukunftsmodell sein können. Sie reduzieren neben Pendelverkehr und CO₂-Belastung auch den Leerstand und tragen so zur Revitalisierung und Attraktivitätssteigerung der ländlichen (Arbeits-)Welt bei. In den Städten werden weniger teure Büroflächen, auf dem Land weniger häusliche Arbeitszimmer benötigt und somit Arbeitgeber wie Arbeitnehmer finanziell entlastet. Gründer und Start-ups finden auch abseits der Ballungsräume attraktive und bezahlbare Räumlichkeiten. Nicht zuletzt wird bzw. bleibt der vorwiegend ländlich geprägte Freistaat so für kreative, hochqualifizierte Arbeitnehmer und Freiberufler als Lebensmittelpunkt attraktiv, auch wenn der Arbeit- bzw. Auftraggeber im Ausland oder in einer Metropole sitzt.

Co-Working-Space – was ist das eigentlich?

Unter „Co-Working-Spaces“ versteht man voll ausgestattete Gemeinschaftsarbeitsräume – meist Büros –, die bewusst für eine flexible Nutzung durch wechselnde Personen konzipiert sind. In der Regel vermietet der Betreiber des Co-Working-Spaces die einzelnen Arbeitsplätze dafür zeitweise an einzelne Nutzer oder Nutzergruppen – ob für ein paar Stunden täglich, einen festen Tag pro Woche oder z. B. mehrere Wochen am Stück. Co-Working-Spaces stellen somit eine Alternative zum Büro oder zum häuslichen Arbeitszimmer dar. Durch ihre in der Regel offene Gestaltung, die meist auch Lounges oder andere Begegnungsräume umfasst, ermöglichen sie den Mietern neben der selbstbestimmten, unabhängigen Nutzung auch sozialen Kontakt und Austausch mit anderen Nutzern.

Doch damit das Projekt „Co-Working-Space im ländlichen Raum“ Erfolg haben kann, müssen nicht nur genügend potenzielle Nutzer und passende Räumlichkeiten vorhanden sein. Auch die Fragen nach Betreiber und Rechtsform, Finanzierung und Marketing sind zu beantworten.
Nicht immer wird sich zudem das Ur-Konzept eignen, ggf. sind Hybridformen wie „Retreats“ (Rückzugsorte) oder „Workation“ (Arbeiten und Urlaub machen) erfolgversprechender. Sind diese Fragen zufriedenstellend beantwortet, können Co-Working-Spaces sehr wohl zur Steigerung der Attraktivität des ländlichen Raums beitragen – allerdings ist hier auch finanziell ein langer Atem seitens der Betreiber gefragt.
Für Thüringen bieten sich insbesondere Mischformen und multifunktionale Lösungen an: (Dorf-)Gemeinschaftshäuser, die neben dem Co-Working-Space auch viele andere wichtige Anlaufstellen bieten – von der Poststelle bis zum Tante-Emma-Laden.

Co-Working-Spaces in Thüringen (Beispiele):


Fördermöglichkeiten, Informationen und Ansprechpartner in Thüringen:


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